Die Geschichte der Bauernschaft Hülsdau

Die Geschichte der Bauernschaft Hülsdau

Erstellt von Johannes Wüller im Jahre 1977

Die Bauernschaft Hülsdau, eine der acht Bauernschaften Polsums, liegt zwischen Deipenbrauk, dem Dörnen und dem Wieskamp (Altendorf), also der Westen Polsums.

Der Name "Hülsdau", eine Ableitung aus den beiden Teilen Hüls = Hülse oder Hülsekrabbe, botanisch Ilex und Dau, die plattdeutsche Bezeichnung für Tau. Der Name gibt uns Auskunft über die Struktur des Wohngebietes. Es deutet auf eine feuchte Wiesen- und Bruchlandschaft hin; denn wo Hülsen wachsen, ist mit Sicherheit anmooriger, feuchter Boden, wo Tau oder Dau eine Folgeerscheinung ist. In einer anderen Deutung ist von Hüls und Aue die Rede, aber das Wort Aue ist im hiesigen Gebiet nicht geläufig.

Um 1800 wohnten in der Bauernschaft Hülsdau 12 Familien, und zwar waren dies Weimann (68 Morgen, pachtpflichtig an Haus Wittringen), Rademacher (59 Morgen, pachtpflichtig an Haus Lüttinghof), Büchter (7 Morgen), Schocke (15 Morgen), Gärtner (7 Morgen) Kuhlmann (10 Morgen), Behlen (12 Morgen), Hövener (Pastoratskotten), Große Wienforth (10 Morgen), Kleine Wienforth (5 Morgen), Wienforth (5 Morgen) und Erwig (2,5 Morgen). 1828 kam Wieland aus dem Wieskamp dazu. Im Laufe der Zeit sind von den alten Namen nur noch zwei vorhanden, und zwar Weimann und Kleine Wienforth. Alle anderen änderten durch Erbschaft, Einheirat und Verkauf ihre Namen.

Rademacher ohne leibliche Erben. Die angenommene Franziska Waldmann aus Bottrop heiratete 1931 Ernst Wegener aus Bertlich. Büchter. Einheirat Büscher aus Scholven oder Bottrop; heute im Besitz von Ernst Wegener.

Schocke, später Bremberg. Ende des Jahrhunderts Neubau im Dorf und Abbruch des Altbaues. Ehemalige Grundfläche im Besitz von Ernst Wegener.

Gärtner, der letzte männliche Erbe ist im ersten Weltkrieg gefallen. Im Jahre 1919 heiratete Peter Möllmann aus Gelsenkirchen dort ein. Kuhlmann, 1871 umgebaut, später zweimal verkauft. 1901 kaufte Heinrich Wüller den Restkotten.

Behle verkaufte, Wilhelm Hantrop kaufte den Restkotten. Später verkaufte August Hantrop an Eickenscheidt aus Scholven.

Hövener, schon bald nach der Hörigkeit heiratete ein Bergermann aus Ulfkotte ein. 1953 heiratete die jetzige Besitzerin Paul Kampermann aus Resse.

Wieland, 1828 nach einem Brand aus dem Wieskamp in den Hülsdau umgesiedelt, vererbte seinen Hof an Wilhelm Kopmann aus Altenessen.

Große Wienforth, später vorübergehend Hutmacher, wurde verkauft, abgebrochen und lag zwischen Kleine Wienforth und Wienforth, jetzt Nothelle.

Wienforth, hier heiratete 1901 die Tochter Antoinette den Johann Nothelle aus Kirchhellen. 1968 heiratete Erich Tiemann aus Beerlage die einzige Tochter Marlies Nothelle.

Erwig, Schnieder am Dörnen. Da ohne männliche Erben, heiratete 1912 Johann Döweling aus Marl die Tochter Anna Erwig. Neu hinzugekommen sind: 1894 ein Neubau, als Altenteil gedacht, von Theodor Kleine Wienforth und seiner ersten Frau. Heute bewohnt von Berta Kleine Wienforth, Sohn Hans Jürgen und Familie Roosen. Am Dörnen baute Hermann Weimann 1925 im Eigenbau ein Eigenheim, heute im Besitz der Familie Heynen. Auf dem alten Behlen Kotten, später Hantrop, baute der neue Besitzer Eickenscheidt zwei neue Häuser, z.Z. bewohnt von Familie Schröder, Frau Freienstein und Familie Kassing. 1969 baute Hubert Wüller ein Eigenheim als landwirtschaftliche Nebenerwerbsstelle. Auf dem Büscherschen Kotten wohnen heute die Familie Hans Werner Hantrop, die Geschwister Allkemper und Frau Büscher mit Sohn. Im Hause Möllmann wohnen jetzt der Schwiegersohn August Brinckmann mit Familie und die Geschwister Möllmann. Von den alten Häusern des vorigen Jahrhunderts steht nur noch das von Kleine Wienforth. Durch Kriegseinwirkungen wurden die Häuser Weimann, Wegener, Büscher, Möllmann, Bergermann, Kopmann und Döweling am 1. April 1945 vernichtet und später wieder aufgebaut. Das Haus Nothelle ist 1909 abgebrannt und neu gebaut. Kuhlmann, später Wüller, ist 1871 abgebrochen und neu errichtet worden, 1925 umgebaut, 1944 durch Bomben und 1945 durch Beschu6 stark beschädigt und hergerichtet. Interessant ist auch noch über die Berufe und den Broterwerb der Vorfahren zu berichten.

Bauern waren und sind:

Weimann, Rademacher, Wegener und Wieland-Kopmann. Schreiner auf Lüttinghof waren Büchter-Büscher. Später, als Freiherr von Twickel nach Havixbeck zog, betrieben sie die Sägemühle auf Lüttinghof. Schocke-Bremberg waren Schmiede und Büchsenmacher. Gärtner-Möllmann waren Stellmacher. Bis nach der Einheirat von Peter Möllmann 1919 wurden die Bäume noch mit der Handsäge geschnitten und mit dem Handbeil behauen. Höwener-Bergermann waren Weber. Die Reste des Webstuhls wurden erst 1922 ausgeräumt. Behlen waren Tagelöhner und beim Mähen mit dem Secht bekannte Größen. Kleine Wienforth waren als Händler bezeichnet. Wienforth waren Zimmerleute als weit über die Grenzen des Kirchspiels bekannt und hatten ihren eigenen Baustil. Das Bauernhaus Josef Boermann ist noch ein stilgerechtes Wienforth-Haus. Erwig, genannt Schnieder am Dörnen, war ein altes Schreinergeschlecht. Um die Jahrhundertwende waren drei Lehrlinge und  mehrere Gesellen beschäftigt. Sie arbeiteten auch für Kundschaft in Oberhausen. Über Kuhlmann ist nichts näheres zu berichten, ebenso über Große Wienforth. Aus dem Hause Wienforth stammte der 1833 geborene

Johannes Wienforth, welcher am.16. März 1861 zum Priester geweiht, drei Jahre in Hervest als Kaplan und dann in Gladbeck als Vikar tätig war.